1914 – 1918 Der Hintergrund – historischer abriss

Am 28. Juni 1914 fallen der österreichisch-ungarische Thronfolger und seine Frau in Sarajewo einem Attentat zum Opfer. Die dadurch erfolgte Zündung des sprichwörtlichen Funkes im Pulverfass sollte zur Folge haben, dass sich innerhalb weniger Wochen ganz Europa und wenige Monate später die Welt im Kriegszustand wiederfand. Unterschiedliche Interessen, Weltanschauungen und Machtansprüche waren wohl eher Grund zum Ausbruch dieses ersten Weltkrieges, als die Rachsucht serbischer Separatisten; aber in Sarajewo hat alles angefangen. Eine Vielzahl von Bündnisverpflichtungen führte – einer Kettenreaktion gleich – zum Kriegseintritt von Zaren, Kaisern und Königen oder, wo deren Zeit bereits abgelaufen war – von demokratisch gewählten Staatspräsidenten.

 

 

 

 

 

Den Mittelmächten (Deutsches Reich und die Österreichisch/ungarische Doppelmonarchie und Italien) stand die “Entente cordiale” (Französische Republik und das Vereinigte Königreich) gegenüber. Das Reich des russischen Zaren sah sich einerseits der Entente gegenüber verpflichtet und hatte vor geraumer Zeit auch schon Serbien seine Unterstützung zugesagt.

Mit Ausbruch des europäischen Krieges standen also:

    • Deutsche Soldaten sowohl Französischen also auch russischen Soldaten gegenüber.
    • Österreichisch/ungarische Soldaten den Serbischen, und in Galizien den russischen Soldaten gegenüber.

England sollte kurz später in das Kriegsgeschehen an der Westfront eingreifen und in der Folge unzählige Opfer zu beklagen haben.

Italien, dannzumal ein noch ein junges Staatsgebilde auf der Suche nach seiner Identität, erklärte zu Beginn der Auseinandersetzung seine Neutralität. Zwar war das Königreich an das Bündnis der Mittelmächte vertraglich gebunden (Dreibund), doch erachtete Italien den Bündnisfall als nicht gegeben. Keiner der Bündnispartner würde angegriffen, beide hätten mit offensiven Absichten ihren Gegnern den Krieg erklärt, so argumentierte man in Rom.

Die Schweiz mobilisierte ihre Truppen. Am 3. August 1914 besetzten die Soldaten alle Grenzübergänge – auch dort, wo sich die Nachbarn noch nicht im Kriegszustand befanden. So kamen im August 1914 auch erste Einheiten in die Val Müstair und bezogen auf dem Pass Umbrail und in Müstair demonstrativ Stellung.


 

 

 

 

Im April 1915 willigte die Entente italienischen Gebietsansprüchen gegenüber ein, sofern sich Italien a) vom Dreibund lossagte und b) innerhalb eines Monats auf Entente-Seite dem ehemaligen Bündnispartner den Krieg erklären würde. Südtirol, Istrien und Dalmatien sollten dem italienischen Staat nach Kriegsende zugeschlagen werden.

 

 

 

 

 

Militärisch war Italien dieser Herausforderung nicht gewachsen. Die Armee war weder ausreichend gerüstet noch ausgebildet. Die Aussicht, auf Seite der später wahrscheinlichen Sieger jedoch jene Gebiete einverleiben zu können, die weit oben auf der Liste der Begehrlichkeiten standen entlockte der politischen Führung eine rasche Zusage.

Am 23. Mai 1915 erklärte Italien Österreich / Ungarn, (nicht aber Deutschland) den Krieg. Österreich sollte zur Bildung einer dritten Kriegsfront gezwungen werden. Diese Front sollte vom Stilfserjoch zum Gardasee, über die Dolomiten und entlang der Karnischen Alpen bis zur Adria verlaufen. An dieser Front sollten möglichst viele militärische Kräfte der Mittelmächte gebunden werden.

Österreich/Ungarn hatte bis dahin auf dem Balkan und an der russischen Front den grössten Teil seiner Streitkräfte zum Einsatz gebracht. Die dortigen Fronten konnten nicht bereinigt werden – die reguläre Armee kämpfte zwar taper aber mehr noch erfolglos. Viele Soldaten fielen oder gerieten in Gefangenschaft.

Also mussten unkonventionelle Lösungen gefunden und umgesetzt werden. Seit 1511 (sic!) verpflichteten sich die Tiroler dazu, im Ernstfall ihre Heimat selbständig zu verteidigen. Im Gegenzug dazu sollten Sie aber nicht zu militärischen Leistungen ausserhalb ihrer Landesgrenzen eingezogen werden. Daraus resultierte die Aufstellung der kommunal organisierten Standschützeneinheiten, die in Talschaften zu Bataillonen zusammengezogen werden konnten. Im Mai 1915 wurde an deren Ehre appelliert und die – noch nicht oder nicht mehr wehrpflichtigen Angehörigen dieser Einheiten meldeten sich freiwillig zum Landesverteidigungsdienst. Innerhalb weniger Tage besetzten weit über 30’000 Tiroler, Vorarlberger und Kärntner Standschützen die ihnen vom Landesverteidigungskommando Tirol zugewiesenen Stellungen.

Aber auch seitens der regulären Armee wurden die letzten Reserven aufgeboten. So kam es, dass sich auf dem Stilfserjoch neben den Standschützen aus Prad auch Reservisten aus Ungarn einfanden, um die Grenze der Monarchie zu verteidigen. Es trafen sich also 14 – 16 jährige Enkel, begleitet von ihren Grossvätern aus den Standschützenformationen und der deutschen Sprache nicht mächtige Reservesoldaten aus der Pusta, die bis dahin noch nie Schnee, geschweige denn ewiges Eis gesehen hatten.

Während sich die österreichische Führung also mit nicht zwingend geeigneten, verfügbaren Kräften begnügen musste, konnte Italien diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen. Die hochalpine Front wurde vornehmlich mit bestens dazu ausgerüsteten Gebirgssoldaten bestückt.

Bereits 1872 wurde in Italien eine Gebirgstruppe aufgestellt, die in der Folge unter der Bezeichnung der “Alpini” bis in den heutigen Tag Ruhm geniesst. Sie sollten während des Krieges entlang der Südwestfront von 1915 – 1918 einen mehr als gleichwertigen Gegner darstellen.

 

 

 

 

 

Die Auseinandersetzung entlang dieser Gebirgsfront sollte nie den Anspruch erheben wollen, dass hier kriegsentscheidende Gefechte oder gar Schlachten stattgefunden haben. Es war und blieb ein Nebenkriegs schauplatz. Die Auseinandersetzung in Höhen zwischen 2000 und 4000 Metern über Meer war vielmehr geprägt von der gegenseitigen Achtung unter Gebirgssoldaten aber natürlich auch von den Entbehrungen und Gefahren, die durch die Umwelteinflüsse allgegenwärtig waren. Lawinen, Kälte, Sturm und Hunger waren oftmals bedrohlicher, als die Wahrscheinlichkeit, von der Kugel eines Gegners getroffen zu werden, der unter den gleichen Bedingungen in Stellung befohlen wurde.

Die gewählten Formen der Gefechtsführung erfüllen uns heute nur noch mit Unverständnis. Es wurden kilometerlange Angriffstunnels durchs Gletschereis getrieben um die, auf einem Gipfel in Stellung gegangenen Beobachtungsposten zu überwältigen. Es wurden Artilleriegeschütze über hunderte von Höhenmetern auf Schlitten über steile Eisflanken geschleppt, um ab höchster Warte Tod und Verderben über sich annähernde Versorgungskolonnen zu bringen. Hatten infanteristische Angriffe auf einen Gipfelstützpunkt keinen Erfolg, so wurden Minentunnels unter deren Standort vorangetrieben, mit Sprengstoff gefüllt und zur Explosion gebracht.

Die militärisch entscheidenden Auseinandersetzungen an dieser Front fanden entlang des Flusslaufes des Isonzo statt. In zwölf Schlachten wurde beiderseits ein Entscheid gesucht, wobei die Letzte endlich im November 1917 dazu führte, dass deutsch/österreichische Truppen in die Tiefebene des Piave vordringen konnten. Dieser Vorstoss hatte die Auflösung eines grossen Teils der Gebirgsfront zur Folge – nicht aber jener am Stilfserjoch.

Bis Anfang November 1918 besetzten österreichische Truppen die dortige Grenze, ohne auch nur den geringsten Gebietsverlust zulassen zu müssen. Mit Vereinbarung des Waffenstillstandes änderte sich in der Folge alles. Italienische Truppen drangen bis zum Brenner und nach Innsbruck vor. Südtirol wurde in den Friedensverträgen von St. Germain dem italienischen Staat zugesprochen.

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Scorluzzo – auf den Spuren von Standschützen und Alpini

Bis zum Jahre 1918 verlief quer zur Passhöhe des Stilfserjochs die Grenze zwischen dem Königreich Italien und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarns. Eine Grenze in Fels und Eis, um welche während der Kriegsjahre 1915-1918 erbittert gekämpft wurde. Im Zentrum der Gefechte stand immer wieder die gleiche, den Passübergang des Stilfserjochs dominierende Anhöhe: der Monte Scorluzzo. Das gleichnamige Wegstück soll dem Besucher die italienische Sichtweise der Auseinandersetzung näherbringen.

Auf dem Weg zum Gipfel und seiner weiteren Umgebung werden folgende Themen beleuchtet:

    • Das italienische Dispositiv zu Kriegsbeginn
    • Die italienischen Truppen im Einsatzraum Ortler
    • Die Besetzung des Monte Scorluzzo
    • Der Kampf um den Monte Cristallo – Hohe Schneid
    • Politische Bestrebungen zur Befriedung des Stelvio-Abschnitts
    • Kriegsende

Ausgangspunkt: Stilfserjoch – Talstation der Bergbahnen
Endpunkt: Grenzübergang Schweiz-Italien (Quarta Cantoniera)
Marschzeit: 5-7 Stunden
Markierung: weiss-grün-rot
Anforderungen: gute Kondition und Trittsicherheit, Technisch: T2, stellenweise T3

EINE WEGBESCHREIBUNG AUS MILITÄRHISTORISCHER SICHT

Eine ausführliche Beschreibung der Wegstrecke ist dem Wanderführer “Der militärhistorische Wanderweg Stelvio-Umbrail” ab Seite 72 zu entnehmen. Nachfolgende Ausführungen beleuchten Orte entlang des Weges und klären deren historische Bedeutung.

Stilfserjoch – Passo delle Plattigiole

Sie verlassen das Stilfserjoch (bei der Talstation der Luftseilbahn) in südlicher Richtung auf der steil ansteigenden Fahrstrasse. Bereits nach der zweiten Serpentine stossen Sie auf die Überbleibsel der österreichischen Artilleriestellung. Drei kavernierte Geschütze bildeten die sogenannte “Ferdinandstellung”. Die drei, in den (brüchigen) Fels eingelassenen Geschützkammern lagen exakt auf der damaligen Grenze zwischen den beiden kriegführenden Nationen. Auf der Strasse stehend befinden Sie sich auf italienischem Territorium, erklimmen Sie Felsen linkerhand sind Sie im damaligen Österreich. Der Zugang zu den unter sich nicht verbundenen Kavernen erfolgte entsprechen auf der Rückseite des Felsrückens.

Die Schussrichtung der Geschütze lässt sich aufgrund der heute noch erkennbaren, seitlichen Begrenzung der Felsöffnungen nachvollziehen. Im Zielgebiet lagen einerseits der italienisch-schweizerische Grenzübergang auf dem Pass Umbrail mit dem dortigen Stützpunkt der Italiener, ferner das ganze Zwischengelände entlang der Passstrasse sowie die kavernierte Artilleriestellung der Italiener am Laghetto alto.

Die Geschützstellungen der “Ferdinandsstellung” sind noch begehbar, vor Einsturzgefahr sei aber gewarnt.

Die mit Holz verkleidete Mündung der mittleren Geschützkaverne der Ferdinandsstellung im Jahr 2007. Man beachte den stark beschränkten Schwenkbereich hinsichtlich der Schussrichtung.
Eines der “Ferdinand-Geschütze” in Stellung. Zum Einsatz kamen einfache Gebirgskanonen vom Kaliber 7.5 cm, nicht eigentlich dafür konzipierte Festungsgeschütze.

Rechter Hand, wenige Meter unterhalb der Fahrstrasse erkennt man eine auffallende Linie, welche vermeintlich als einstige “Wegspur” interpretiert werden könnte. In Wirklichkeit handelt es sich aber um den Verlauf der damaligen Infanterie-Hindernisse, die zum Schutz der Artilleriestellung errichtet wurden.

Der Übergang des Stilfserjochs wurde im Sommer 1915 vor infanteristischen Angriffen mit Drahthindernissen gesichert. In der Bildmitte links die Gebäude auf der Passhöhe, rechts aus dem Schnee ragend die Ferdinandsstellung und am Horizont die Naglerspitze, welche ebenfalls durch österreichische Truppen besetzt war.
Die Ferdinandsstellung im Winter 1915/16. Im Bild rechts erkennbar, das Infanteriehindernis zum Schutz der Stellung, deren Verlauf heute noch gut erkennbar ist. Am Horizont rechts, der Gipfel des “Kleinen Scorluzzo” mit dem österreichischen Vorgipfelstützpunkt. Beim Übergang unterhalb des Gipfels (links) handelt es sich um den Passo delle Plattigiole. Die heutige Fahrstrasse zum Monte Livrio bestand selbstredend noch nicht.

Erst mit Erreichen des Passo delle Plattigiole “offenbart” sich die wirkliche Bedeutung des Monte Scorluzzo für die damals tatktisch relevanten Überlegungen. Vor uns erstreckt sich das schroffe Valle dei Vitelli (Kälbertal), welches zunächst sanft, dann aber steil abfallend auf der Höhe der zweiten Cantoniera im Valle Braulio die heutige Stilserjochstrasse erreicht.

Wer also das Stilfserjoch von der Veltlinerseite herkommend erreichen wollte hatte zwei Optionen: die leistungsfähige Strasse durch das Valle Braulio (heutige Fahrstrasse) oder eben die Umgehung durch das Valle dei Vitelli.

Entsprechend wurde dieser Übergang durch ein Stellungssystem befestigt um einen entsprechenden Vorstoss aufzufangen. Dieses System verlief vom Fuss der Naglerspitze, die uns auf dem Passo delle Plattigiole linkerhand liegt, bis zum Aufschwung zum “Kleinen Scorluzzo” an dessen Fuss man sich auf der tiefsten Stelle des Übergangs befindet.

Der Passo delle Plattigiole, vom Aufstieg zum “Kleinen Scorluzzo” her betrachtet. Rechts im Bild erkennt man das Valle dei Vitelli. Rechts der Fahrstrasse erkennt man den Verlauf der Infanterie-Linie, welche einen italienischen Vorstoss entlang dieser Achse verhindern sollte.
Die Einmündung des Valle dei Vitelli ins Brauliotal. Ein Vorstoss durch diese wilde Gegegend war – wenn überhaupt –  höchstens bei schlechten Sichtverhältnissen von möglicher Erfolg gekrönt.

Passo delle Plattigiole – Kleiner Scorluzzo

Beim Aufstieg zum Scorluzzo verlassen wir nach erreichen der ersten Höhenstufe den offiziellen (rot-weiss-markierten) Wanderweg und halten uns rechts, um nur wenige Meter später eine auffallendes Plateau zu erreichen. Dabei überschreiten wir erstmals ein, quer zur Auffangstellung auf dem Passo delle Plattigiole verlaufendes Grabensystem und stossen auf Einschlagkrater, welche den Beschuss italienischer Artillerie bezeugen.

Das Grabensystem gehört zur Flankenstellung des Passübergangs und es bedarf keiner Phantasie, sich deren Verlauf im Kontext des taktischen Denkes zu interpretieren, wenn man sich nachfolgenden Grundsatzes bewusst wird.

Stellen Sie sich ein Hufeisen vor oder auch ein liegendes “U”. Dessen Basis (also der Bogen) befindet sich in der Auffangstellung – die beiden Seiten sind in Richtung des Gegners ausgelegt. Wer nun dieses “Hufeisen” besetzen konnte war in der Lage, gleichzeitig aus drei Richtungen auf den Gegner einzuwirken. Mit diesem Bild im Hintergrund werden Sie in der Folge jeden Verlauf irgendwelcher Stellungssysteme verstehen können. Gut zu wissen: derartige “Hufeisen” gab es in unterschiedlichsten Grössen. Also ganz kleine, schmale und auch sehr grosse, breite “U”s. Aber das Prinzip war immer das gleiche. Und noch wichtiger zu wissen: auch die Italiener wendeten diese Taktik der Stellungswahl an.

Die artilleristischen Spuren wiederum zeigen das Bestreben eines Angreifers, eben diese Stellungen niederzuhalten, damit ein Angriff ohne direkte Feuerwirkung des Gegners überhaupt möglich war.

Die in den Fels gehauene Feldwachenlinie am Plateaurand des “Kleinen Scorluzzo”. Die erkennbare Schiessscharte lässt flankierendes Unterstützungsfeuer auf den Übergang des Passo delle Plattigiole zu.
Der Lauf- und Kampfgraben auf der ersten Kammlinie des Plateaus. Diese wurden bezogen, wenn eine entsprechende Alarmierung aus der Feldwachenlinie (Bild links daneben) erfolgte.
Stellungsplan des “Kleinen Scorluzzo”, wiedergegeben nach einer Originalskizze des Kommandanten der Ortlerfront, Moritz Freiherr von Lempruch.

Am östlichen Rand des Plateaus – in obiger Darstellung als “Kaverne” bezeichnet – stossen wir auf betonierte Fundamente der Seilbahnstation. Über diese Transportseilbahn wurde der Scorluzzo-Stützpunkt ab dem Stilfserjoch (in der Darstellung als “Ferdinandshöhe” bezeichnet) versorgt. Beton war ein rares Gut und wurde nur dort verbaut, wo dies aufgrund der benötigten Festigkeit zwingend notwendig war.

Der eigentliche Stützpunkt auf dem Gipfel des “Kleinen Scorluzzo” war zweiseitig ausgerichtet. Ab hier konnte sowohl das Vorfeld des Stilfserjoch-Übergangs auf der Braulio-Seite (Norden) mit Feuer belegt, als auch einem Angriff aus dem Valle dei Vitelli (Süden) begegnet werden.

Wirkungsbereich ab dem Gipfelstützpunkt auf das Stilfserjoch-Vorfeld. In Bildmitte die Passhöhe des Pass Umbrail, am Bildrand rechts erkennbar: die Höhe der Dreisprachenspitze.
Der Kampfgraben auf dem Gipfel des “Kleinen Scorluzzo”. Im Hintergrund (Bildmitte) die ebenfalls österreichisch besetzte Naglerspitze und rechts davon die “Hohe Schneid” auf welcher sich Alpini und Standschützen auf Steinwurfweite gegenüberlagen.

Den Gipfel des “Grossen Scorluzzo” erreichen wir über den offiziellen Wanderweg. Dieser verläuft steil entlang des linken (südlichen) Grats und folgt exakt dem ehemaligen Verbindungsgraben vom “Kleinen-” zum “Grossen Scorluzzo.

 

Grosser Scorluzzo

Unmittelbar nach Kriegsausbruch – also Anfang Juni 1915 – besetzten Patrouillen der Alpini den Gipfel. Dieser befand sich schon damals auf italienischem Territorium und gewährte den Einblick hinter die nun umkämpfte Grenze ins Trafoi-Tal. Österreichische Bewegungen konnten, gutes Wetter vorausgesetzt, frühzeitig erkannt werden.

Landesverteigung aus Wiener Sicht

Die Verteidigungsabsicht Östtereich-Ungarn basierte bis zu Kriegsausbruch darauf, einem Vorstoss der Italiener erst in den Talniederungen entgegenzutreten, keines Falls aber auf den Höhenzügen der eigentlichen Landesgrenze. Die zwischen 1860 und 1862 errichtete “Strassensperre Gomagoi” (an der Einmündung des Suldentales ins Trafoital) drängte sich aus Sicht des österreichischen Generalstabes dazu auf und entsprechend vorbereitete Verteidigungslinien lehnten sich an dieses Sperrwerk an. Das war aber “Vorkriegsdenken” und wurde von der neuen Situation überholt.

Für detailliertere Ausführungen zum Verteidigungsdispositiv Österreichs sei auf den entsprechenden Artikel auf der Seite “Trais Linguas” verwiesen.

Landesverteidigung aus Tiroler Sicht

Die zur Landesverteidigung aufgebotenen Standschützen beurteilten dies als groben Fehlentscheid Wiens, kamen sie doch aus der vom Kriegsausbruch unmittelbar betroffenen Region. Sie bewirtschafteten Bauernhöfe und Alpwirtschaften in Grenznähe, welche nun – der Wiener Absicht folgend – kampflos abgetreten werden sollten. Dies widersprach ihrer Vorstellung von Landesverteidigung in gröbster Weise. “Unser Landl beginnt an der Grenz’ – nicht dort wo es die Wiener gerne hätte” – entsprach der weit verbreiteten Meinung der lokalen Bevölkerung – und dies sollte Folgen haben.

Andreas Steiner’s Stosstruppunternehmen

Am 4. Juni 1915 entschied sich der Gendarmerie-Rittmeister Andreas Steiner zu einem Unternehmen, welches den Kriegsverlauf an der Ortlerfront massgeblichst beeinflussen sollte. Mit ca 40 Mann, aufgeteilt in drei Gruppen verdrängte er die Italiener vom Gipfel des Monte Scorluzzo. Dieser Angriff fand bei schlechter Sicht statt und wurde durch einen Artilleriebeschuss ab der Goldseestellung eingeleitet. In der Folge wurde der Scorluzzo dauerhaft besetzt und blieb bis Kriegsende im Besitze Österreichs. Was in der späteren Berichterstattung als heroische Tat beschrieben wurde, fand jedoch während der ersten Kriegstage kaum Beachtung.

Das Tagebuch des Zuständigen Kommandos für die Verteidigung des Ortlerabschnitts vermerkt für den 4. Juni 1915:

“Die von den Italienern am Scorluzzo ausgebaute Unterkunftshütte wurde von der eigenen Artillerie zusammengeschossen. Nach Rückzug der Italiener fand unsere Patrouille Schlafsäcke, Mäntel, Kochgeschirr etc.

Die bei der III. Cantoniera gemeldete Abteilung zog sich weiter gegen Bormio zurück.

Auf Bochetta di Forcola wird an der Herrichtung der Stellung gearbeitet.

Ansonsten unverändert.”

Der Eintrag im Tagebuch lässt schliessen, dass es sich bei der Besetzung des Scorluzzo also nicht um einen infanteristischen Angriff im klassischen Sinne gehandelt haben kann. Die italienischen Truppen zogen sich aufgrund des Artilleriebeschusses vom Gipfel zurück, worauf dieser durch das Detachement Steiner kampflos besetzt wurde.

Die Besetzung des Monte Scorluzzo und deren unmittelbare Folgen. Quelle: Accola, Dokumentation Stilfserjoch-Umbrail 1914-1918
Rittmeister Andreas Steiner, der “Held” vom Scorluzzo, bewarb sich wenig später für den Maria Theresia Orden, welcher ihm aber verwehrt wurde. Wien sah seine Aktion als “der Kriegsabsicht entgegensprechend”.
Besetzung der Höhenstellungen

Die Besetzung des Scorluzzo sollte zur Folge haben, dass nun die ganze Verteidigungslinie Österreichs verschoben werden musste. Ursprüngliche Sperrstellungen wurd desarmiert und die Geschütze auf den dominierenden Höhen in Stellung gebracht, so auf dem Monte Livrio, der Naglerspitze und natürlich auf dem Gipfel des Scorluzzo.

Der Gipfelstützpunkt auf dem Scorluzzo nach einer Skizze von Moritz von Lempruch
Der Gipfelstützpunkt

Mit Erreichen des höchsten Punkts des Monte Scorluzzo stossen wir zunächst auf die Überreste der kavernierten Unterkunft, die auf obiger Skizze mit Nr. 1 bezeichnet ist. Lempruch bezeichnet es als Unterkunft eines “Schwarms” was im heutigen militärischen Sprachgebrauch etwa der Stärke einer “Gruppe” (also 8-10 Mann) entspricht.

Leicht zu erkennen ist der Verlauf des nördlichen Lauf- und Kampfgrabens. Die übrigen Kampfinfrastrukturen sind nur sehr schwierig im Gelände zu lokalisieren. Die Kavernen sind eingestürzt und auch deren Zugänge kaum mehr auffindbar.

Wenn wir Lempruchs Angaben zur verfügbaren Unterkunftskapazität (zwei Züge und drei Gruppen). addieren, lässt sich der Mannschaftsbestand auf dem Monte Scorluzzo auf eine schwache Kompanie (rund 90 Mann) berechnen.

Der Eingang zur kavernierten Gruppenunterkunft auf dem Monte Scorluzzo
Die kavernierte Feldkanone 75 (9 cm), welche im Süden des Stützpunkts in Stellung gebracht wurde. (Bild: Sammlung Knoll, Archiv Stelvio-Umbrail 14/18)

Abstieg zum Filone del Mot

Der Abstieg vom Gipfel erfolgt über den südwest-orientierten Grat zum Filone del Mot. Auch hier stossen wir auf österreichische Stellungen, welche zum Schutz des Gipfelstützpunkts errichtet wurden. Während sich die Wegstrecke heute mehrheitlich nach dem Gratverlauf richtet, mussten die österreichischen Soldaten mit aller Vorsicht danach trachten, sich nicht auf dieser Kammlinie sehen zu lassen. Diese war ab den italienischen Stellungen auf dem Filone del Mot problemlos einsehbar und jede Bewegung liess sich – gute Sicht vorausgesetzt – sehr genau beobachten. Eine Feuersalve der Alpini war dann das logische Resultat dieser Beobachtung.

Am Fuss des kompakten Felsaufbaus stossen wir auf die letzten Spuren der Standschützen, auf die Feldwache. Diese zu finden ist einfach. Spätestens beim Überschreiten der nachwievor vorhandenen Drahthindernisse (heute am Boden liegend) haben Sie deren Standort passiert. Dieses Drahthindernis verlief quer zum Grat und wurde bis in die Mitte der Westflanke des Scorluzzo gezogen.

Die Reste des Drahthindernisses zum Schutz des Gipfelstützpunkts bei der österreichischen Feldwache am Filone del Mot
Der Südwestgrat des Scorluzzo mit Lage der österreichischen Feldwache und dem Verlauf des heute noch auffindbaren Drahthindernisses. Blick aus dem “Niemandsland” am Filone del Mot.

terra di nessuno – das niemandsland

Die rund 300 Meter (Luftlinie) zwischen der österreichischen Feldwache am Fuss des Gipfelaufbaus und dem ersten Stützpunkt der Italiener am Filone wird als “Niemandsland” bezeichnet. In dieser Zone gab es weder Stützpunkte noch Hindernisse – aber diese Bewegungszone war äusserst “bleihaltig”. Annäherungen an gegnerische Stellungen hatten nur dann Erfolgschancen, wenn der Gegner nichts sah, schlief oder den oftmals widrigen Witterungsverhältnissen trotzen musste; also bei Nebel, Nacht oder Sturm.

Spätestens jetzt – im Niemandsland – sollten Sie ihnen begegnet sein. Historisch nicht von Relevanz aber unheimlich schön. Sollten Sie den Weg nicht frei geben: üben Sie Geduld und geniessen Sie den Augenblick.
Mit Erreichen des ersten Vorpostens der Alpini verlassen Sie das Niemandsland. Auffallend: die Italiener waren schon damals die besseren Muratori (Maurer) und dieser Eindruck wird sich in der Folge bestätigen.

ENTLANG DES FILONE DEL MOT

Monte Cristallo – Hohe Schneid

Auf dem Weg entlang des Filone beherrscht linkerhand die markante Siluette der Hohen Schneid (ital. Monte Cristallo) den Blick. Der Felsgipfel (rechts) wurde im Oktober 1916 durch die Italiener besetzt und mittels einer Seilbahn erschlossen. Dadurch ergab sich für die Alpini die Möglichkeit, den österreichischen Stützpunkt auf dem Monte Scorluzzo unter Feuer zu nehmen.

Im Winter 16/17 gruben die Österreicher entsprechend einen Angrifftunnel von der Naglespitze durch den den Cristallo-Gletscher und die damals viel mächtigere Eiswand und besetzten am 17. März den Eisgipfel.

Auf Steinwurfdistanz lagen sich nun die Vorposten der Standschützen und Alpini gegenüber und es lässt sich unschwer vorstellen, dass auf dieser eisigen Warte der Krieg in anderer Form geführt wurde, als dies in Rom und Wien erwartet wurde. Anekdoten erzählen von einer Fraternisierung der Gipfelbesatzungen die auch mal den Austausch an Lebensmitteln zur Folge hatte.

Darstellung der österreichischen – und italienischen Stellungen auf der Hohen Schneid (Stand: Herbst 1918). Publiziert mit freundlicher Genehmigung des Kaiserjägermuseums Innsbruck.
Vortriebsarbeiten im Angriffsstollen zur Hohen Schneid: Bild Archiv 14/18, Sammlung Schaumann
Die italienische Cristallo-Stellung aus der Sicht des österreichischen Stützpunkts auf der Hohen Schneid: Bild Archiv 14/18, Sammlung Schaumann
DER ITALIENISCHE STÜTZPUNKT AUF DEM FILONE DEL MOT

Wir folgen dem Wanderweg entlang des Grats um den Infanteriestützpunkt auf dem Filone zu besuchen. Der Weg ist in auffallend guten Zustand, wird er doch hangseitig von solidem Mauerwerk abgestützt. Wären Sie vor über 100 Jahren dieser Strecke gefolgt: Sie hätten nichts gesehen – und wurden (noch besser) nicht gesehen. Der Wanderweg folgt dem damals gedeckten Zugangsgraben zur Feldwache, welche Sie vorhin passiert haben.

Unmittelbar vor dem letzten Grataufschwung des Filone verlassen wir den offiziellen Weg und umgehen diesen linkerhand. Wenige Meter unterhalb des Grats stossen wir auf einen eindrücklichen Laufgraben, welcher zu besagtem Stützpunkt auf dem Filone führt.

Beobachtungsunterstand beim Filone-Stützpunkt mit dem Monte Scorluzzo im Hintergrund.
Der sicht- und splittergeschützte Zugang zum Stützpunkt.
Gesamtübersicht des Stützpunkts
Überreiste einer Stellung im Stützpunkt. Es ist denkbar, dass hier ein Maschinengewehr zur Bestreichung des Scorluzzo Südwestgrats postiert war. Dies enspricht allerdings lediglich einer Vermutung.
Das Grabensystem befindet sich auch 100 Jahre nach deren Erstellung in einem auffallend guten Zustand.

VOM FILONE NACH “MACHU PICHU”

Unmittelbar nach dem Filone-Stützpunkt verlassen wir die Kampfstellungen und betreten den rückwärtigen Raum, welcher für die logistische Unterstützung eingerichtet wurde. Die Fundamente der Gebäude entlang des Weges sind eindrücklich und zeugen davon, dass die Italiener hier eine grosse Anzahl an Soldaten untergebracht haben.

Wir stossen auf Unterkunftsgebäude und Überreste einer Küchenbaracke – zumindest lässt die Tatsache, dass sich in deren unmittelbarer Nähe eine Unzahl an Konservendosen finden lässt – keinen anderen Schluss zu.

Unterkunftsreste im Abstieg vom Stützpunkt. Die Besatzung des Stützpunktes am Filone wurde hier untergebracht und auch verpflegt.
In den einzelnen Gebäuden fanden bis zu 60 Soldaten eine Schlafmöglichkeit. Eng, stickig aber zumindest witterungsgeschützt und warm.

“MACHU PICCHU” – DAS ALPINIDÖRFCHEN AM FILONE

Die legendäre Inkasiedlung in den peruanischen Anden wurde 1911 entdeckt. So war es wenig verwunderlich, dass sich der Vergleich mit dem Alpinidörfchen am Ausläufer des Filone del Mot aufdrängte, klebt es doch ähnlich seines Vorbilds hoch über dem Val Braulio.

Die Bezeichnung “un vero piccolo machu picchu” findet sich auch in offiziellen Dokumenten und Tagebüchern, so dass deren Verwendung – auch in Abweichung der unterschiedlichen Dimensionen zum Original –  legitim scheint.

Wieviele Soldaten im Alpinidörfchen untergebracht wurden ist nicht abschliessend feststellbar. Wenn wir davon ausgehen, dass hier eine bis zwei Kompanien Unterkunft fanden, liegen wir aber wohl nicht falsch.

Versorgt wurde “Machu picchu” mittels einer Transportseilbahn aus dem Valle Braulio, deren Talstation bei der 3. Cantoniera stand – unweit des damaligen Kriegerfriedhofs.

Ein kleines “machu pichu” am Filone del Mot
2012 wurde die Anlage auf “Machu picchu” durch Mitarbeitende des Nationalparks Stilfserjoch sanft saniert. Die Abbildungen datieren von 2007, also vor diesen Arbeiten.
Die modellhafte Rekonstruktion des Alpinidörfchens, wie sie heute im MUSEUM 14/18 zu besichtigen ist.
Die modellhafte Rekonstruktion des Alpinidörfchens, wie sie heute im MUSEUM 14/18 zu besichtigen ist.
Die modellhafte Rekonstruktion des Alpinidörfchens, wie sie heute im MUSEUM 14/18 zu besichtigen ist.

Italienische Verteidigungsmassnahmen im Valle Braulio

Von der Aussichtswarte des Alpinidörfchens öffnet sich erstmals der eindrückliche Blick in den tiefen Einschnitt des Talverlaufs gegen Bormio. Unmittelbar am Ausläufer des nun steil abfallenden Grates befand sich die zweite Verteidiungsstellung der Italiener.

Auch sie bereiteten sich gegen einen österreichischen Angriff vor und trafen entsprechende Abwehrmassnahmen.

Von “machu picchu” zum rese di scorluzzo

Der Abstieg von “Machu Picchu” erfolgt über die nordwestliche Flanke – militärisch ausgedrückt überen deren Vorderhang. Entsprechend finden sich hier keine Reste von Stellungsbauten. Lediglich einige Holzbalken und Reste von Maschendraht finden sich entlang der Wegspur. Diese wurden wohl im Verlauf der Jahre durch abgehende Lawinen vom Filone her an ihre heutigen Fundstellen verfrachtet. Historisch sind diese aber nicht relevant.

Mit Erreichen der grünen Hochfläche am Fuss des Monte Scorluzzo  – auf Karten als “Piano di Scorluzzo” bezeichnet – stossen wir hingegen wieder auf italienische Auffangstellungen. Der Verlauf der gradlinig entlang der Kammlinie erstellten Stellungslinie ist trotz der nun wieder vorhandenen Vegetation gut erkennbar. Es ist davon auszugehen, dass die Linie nie durch ein Grabensystem verstärkt wurde, obwohl die Bodenverhältnisse dies hier wieder leicht zugelassen hätten. In Anbetracht des potenziellen österreichischen Angriffsbereichs lässt sich dies aber nachvollziehen. Ein entprechender Angriff hätte vom Gipfel des Monte Scorluzzo über dessen steile und nahezu allen italienischen Geschützen ausgesetzte NW Flanke absteigend erfolgen müssen. Ein äusserst riskantes Vorhaben also.

Das beim Passo delle Plattigiole erklärte “Hufeisenprinzip” finden wir auch auf dem Piano del Scorluzzo und hier in sehr ausgedehnter Form. Die rechte Flankierung erfolgte vom Filone del Mot aus und die linke ab dem Rese di Scorluzzo, dem markanten NW Grat des namensgebenden Gipfels.

Während einer kurzen Wegstrecke folgen wir dem klaren Bergbach, gesäumt von lieblichen Wollgräsern und biegen dann leicht rechts, kurz aufsteigend ab um den Lago del Scorluzzo zu erreichen. Der Wasserstand des nahezu kreisrunden Bergsees ist schmelzwasserabhängig. Er verfügt weder über einen oberirdischen Zu- noch Abfluss. Entsprechend kann es nicht überraschen, wenn von diesem – im Frühsommer randvollen See – im Spätsommer höchstens noch eine Pfütze vorhanden ist; insbesondere nach regenarmen Sommermonaten.

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Die modellhafte Rekonstruktion des Alpinidörfchens, wie sie heute im MUSEUM 14/18 zu besichtigen ist.

le rese di scorluzzo

Der Aufstieg zu diesem militärhistorisch interessanten Gipfelausläufer erfolgt am nördlichen Ende des Piano di Scorluzzo über leicht auffindbare, steil aufsteigende Wegspuren.

Die Wegspuren am Rese sind nicht markiert und werden nicht unterhalten. Ein Besuch für den eingefleischten Militärhistoriker lohnt sich aber dennoch. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich der Rese auf 2887 m ü. M. als “Sackgasse” entpuppt. Der Aufstieg zum Hauptgipfel des Scorluzzo – durch das dortige “Niemandsland” – ist wirklich nur klettertauglichen Besuchern vorenthalten. Das Gestein ist sehr brüchig und von einer Begehung ohne Seilsicherung ist ausdrücklich abzuraten.

Auf dem “begehbaren” Teil des Rese treffen wir auf eindrückliche und erstaunlich gut erhaltene Stellungen, aus welchen flankierende Feuerunterstützung sowohl in Richtung des Piano di Scorluzzo als auch Richtung “Lago alto”, dem italienischen Artilleriestützpunkt welchem wir in der Folge noch begegnen werden möglich war. Die Besatzung des Rese umfasste in etwa eine Stärke von einem Zug (ca. 30 Mann), die hier in sehr einfachen Unterständen eine Unterkunft fanden. Grundmauern dieser Infrastrukturen lassen sich nach wie vor finden und interpretieren.

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Die modellhafte Rekonstruktion des Alpinidörfchens, wie sie heute im MUSEUM 14/18 zu besichtigen ist.

Der Artilleriestellungsraum Lago alto

Vom Ausläufer des Rese di Scoluzzo den Wegspuren auf gleicher Höhe folgend und nach rund 300 Metern rechts leicht aufsteigend stossen wir auf eine breite Fahrstrasse. Wir befinden uns jetzt auf der Militärstrasse, welche von der 3. Cantoniera aus erstellt wurde, um den Artilleriestellungsraum Lago alto zu versorgen.

Wir folgen dieser Strasse und erreichen diesen nach gut zehn Gehminuten. Die Fahrstrasse führt uns direkt in die, im Jahre 2012 sanierten, unterirdischen Geschützkammern.

Die dortigen Kanonen waren sowohl offensiven als auch defensiven Charakters. Die Ausrichtung der nördlichen Kavernen deckten ein Schussfeld des Vorgeländes des Stilfserjochs und der Grenze zur Schweiz ab. Aus den südlichen Kavernen war, auch in Anbetracht der Reichweite, ein Beschuss der österreichischen Stellungen auf dem Joch und bis nach Trafoi möglich. Letztere Möglichkeit war aber mit einer Neutralitätsverletzung der Schweiz verbunden und wurde nach entsprechenden Einwänden nur in ganz seltenen Fällen genutzt. Detailliertere Ausführungen zu dieser spannenden Thematik finden sich auf der Seite “Trais Linguas”.

Nach weiteren 20 Minuten entlang des gut markierten Wanderweges erreichen wir die Stilfserjoch-Passstrasse.

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Die modellhafte Rekonstruktion des Alpinidörfchens, wie sie heute im MUSEUM 14/18 zu besichtigen ist.
Steinwild am Filone

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