1914 – 1918 Der Hintergrund – historischer abriss

Am 28. Juni 1914 fallen der österreichisch-ungarische Thronfolger und seine Frau in Sarajewo einem Attentat zum Opfer. Die dadurch erfolgte Zündung des sprichwörtlichen Funkes im Pulverfass sollte zur Folge haben, dass sich innerhalb weniger Wochen ganz Europa und wenige Monate später die Welt im Kriegszustand wiederfand. Unterschiedliche Interessen, Weltanschauungen und Machtansprüche waren wohl eher Grund zum Ausbruch dieses ersten Weltkrieges; aber in Sarajewo hat alles angefangen. Eine Vielzahl von Bündnisverpflichtungen führte – einer Kettenreaktion gleich – zum Kriegseintritt von Zaren, Kaisern und Königen oder, wo deren Zeit bereits abgelaufen war – von demokratisch gewählten Staatspräsidenten.

 

 

 

 

 

Den Mittelmächten (Deutsches Reich und die Österreichisch/ungarische Doppelmonarchie) stand die Entente cordiale (Französische Republik und das Vereinigte Königreich) gegenüber. Das Reich des russischen Zaren sah sich einerseits der Entente gegenüber verpflichtet und hatte vor geraumer Zeit auch schon Serbien seine Unterstützung zugesagt.

Mit Ausbruch des europäischen Krieges standen also:

    • Deutsche Soldaten sowohl Französischen also auch russischen Soldaten gegenüber.
    • Österreichisch/ungarische Soldaten den Serbischen, und in Galizien den russischen Soldaten gegenüber.

England sollte kurz später in das Kriegsgeschehen an der Westfront eingreifen und in der Folge unzählige Opfer zu beklagen haben.

Italien dannzumal noch ein junges Staatsgebilde auf der Suche nach seiner Identität erklärte zu Beginn der Auseinandersetzung seine Neutralität. Zwar war das Königreich an das Bündnis der Mittelmächte vertraglich gebunden (Dreibund), doch erachtete Italien den Bündnisfall als nicht gegeben. Keiner der Bündnispartner würde angegriffen, beide hätten mit offensiven Absichten ihren Gegnern den Krieg erklärt, so argumentierte man in Rom.

Die Schweiz mobilisierte ihre Truppen. Am 3. August 1914 besetzten die Soldaten alle Grenzübergänge – auch dort, wo sich die Nachbarn noch nicht im Kriegszustand befanden. So kamen im August 1914 auch erste Einheiten in die Val Müstair und bezogen auf dem Pass Umbrail und in Müstair demonstrativ Stellung.


 

 

 

 

Im April 1915 willigte die Entente italienischen Gebietsansprüchen gegenüber ein, sofern sich Italien a) vom Dreibund lossagte und b) innerhalb eines Monats auf Entente-Seite dem ehemaligen Bündnispartner den Krieg erklären würde. Südtirol, Istrien und Dalmatien sollten dem italienischen Staat nach Kriegsende zugeschlagen werden.

 

 

 

 

 

Militärisch war Italien dieser Herausforderung nicht gewachsen. Die Armee war weder ausreichend gerüstet noch ausgebildet. Die Aussicht, auf Seite der Sieger jedoch jene Gebiete einverleiben zu können, die weit oben auf der Liste der Begehrlichkeiten standen entlockte der politischen Führung eine rasche Zusage.

Am 23. Mai 1915 erklärte Italien Österreich / Ungarn, (nicht aber Deutschland) den Krieg. Österreich sollte zur Bildung einer dritten Kriegsfront gezwungen werden. Diese Front sollte vom Stilfserjoch zum Gardasee, über die Dolomiten und entlang der Karnischen Alpen bis zur Adria verlaufen. An dieser Front sollten möglichst viele militärische Kräfte der Mittelmächte gebunden werden.

Österreich/Ungarn hatte bis dahin auf dem Balkan und an der russischen Front den grössten Teil seiner Streitkräfte zum Einsatz gebracht. Die dortigen Fronten konnten nicht bereinigt werden – die reguläre Armee kämpfte zwar taper aber mehr noch erfolglos. Viele Soldaten fielen oder gerieten in Gefangenschaft.

Also mussten unkonventionelle Lösungen gefunden und umgesetzt werden. Seit 1511 (sic!) verpflichteten sich die Tiroler dazu, im Ernstfall ihre Heimat selbständig zu verteidigen. Im Gegenzug dazu sollten Sie aber nicht zu militärischen Leistungen ausserhalb ihrer Landesgrenzen eingezogen werden. Daraus resultierte die Aufstellung der kommunal organisierten Standschützeneinheiten, die in Talschaften zu Bataillonen zusammengezogen werden konnten. Im Mai 1915 wurde an deren Ehre appelliert und die – noch nicht oder nicht mehr wehrpflichtigen Angehörigen dieser Einheiten meldeten sich freiwillig zum Landesverteidigungsdienst. Innerhalb weniger Tage besetzten weit über 30’000 Tiroler, Vorarlberger und Kärntner Standschützen die ihnen vom Landesverteidigungskommando Tirol zugewiesenen Stellungen.

Aber auch seitens der regulären Armee wurden die letzten Reserven aufgeboten. So kam es, dass sich auf dem Stilfserjoch neben den Standschützen aus Prad auch Reservisten aus Ungarn einfanden, um die Grenze der Monarchie zu verteidigen. Es trafen sich also 14 – 16 jährige Enkel, begleitet von ihren Grossvätern aus den Standschützenformationen und der deutschen Sprache nicht mächtige Reservesoldaten aus der Pusta, die bis dahin noch nie Schnee, geschweige denn ewiges Eis gesehen hatten.

Während sich die österreichische Führung also mit nicht zwingend geeigneten, verfügbaren Kräften begnügen musste, konnte Italien diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen. Die hochalpine Front wurde vornehmlich mit bestens dazu ausgebildeten Gebirgssoldaten bestückt.

Bereits 1872 wurde in Italien eine Gebirgstruppe aufgestellt, die in der Folge unter der Bezeichnung der “Alpini” bis in den heutigen Tag Ruhm geniesst. Sie sollten während des Krieges entlang der Südwestfront von 1915 – 1918 einen mehr als gleichwertigen Gegner darstellen.

 

 

 

 

 

Die Auseinandersetzung entlang dieser Gebirgsfront sollte nie den Anspruch erheben wollen, dass hier kriegsentscheidende Gefechte oder gar Schlachten stattgefunden haben. Es war und blieb ein Nebenkriegs schauplatz. Die Auseinandersetzung in Höhen zwischen 2000 und 4000 Metern über Meer war vielmehr geprägt von der gegenseitigen Achtung unter Gebirgssoldaten aber natürlich auch von den Entbehrungen und Gefahren, die durch die Umwelteinflüsse allgegenwärtig waren. Lawinen, Kälte, Sturm und Hunger waren oftmals bedrohlicher, als die Wahrscheinlichkeit, von der Kugel eines Gegners getroffen zu werden, der unter den gleichen Bedingungen in Stellung befohlen wurde.

Die gewählten Formen der Gefechtsführung erfüllen uns heute nur noch mit Unverständnis. Es wurden kilometerlange Angriffstunnels durchs Gletschereis getrieben um die, auf einem Gipfel in Stellung gegangenen Beobachtungsposten zu überwältigen. Es wurden Artilleriegeschütze über hunderte von Höhenmetern auf Schlitten über steile Eisflanken geschleppt, um ab höchster Warte Tod und Verderben über sich annähernde Versorgungskolonnen zu bringen. Hatten infanteristische Angriffe auf einen Gipfelstützpunkt keinen Erfolg, so wurden Minentunnels unter deren Standort vorangetrieben, mit Sprengstoff gefüllt und zur Explosion gebracht.

Die militärisch entscheidenden Auseinandersetzungen an dieser Front fanden entlang des Flusslaufes des Isonzo statt. In 12. Schlachten wurde beiderseits ein Entscheids gesucht, wobei die Letzte endlich im November 1917 dazu führte, dass deutsch/österreichische Truppen in die Tiefebene des Piave vordringen konnten. Dieser Vorstoss hatte die Auflösung eines grossen Teils der Gebirgsfront zur Folge – nicht aber jener am Stilfserjoch.

Bis Anfang November 1918 besetzten österreichische Truppen die dortige Grenze, ohne auch nur den geringsten Gebietsverlust zulassen zu müssen. Mit Vereinbarung des Waffenstillstandes änderte sich in der Folge alles. Italienische Truppen drangen bis zum Brenner und nach Innsbruck vor. Südtirol wurde in den Friedensverträgen von St. Germain dem italienischen Staat zugesprochen.

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